Moravský zemský archiv v Brně[Mährisches Landesarchiv] (MZA)
Das Mährische Landesarchiv ist das bedeutendste Archiv der ehemaligen historischen Markgrafschaft Mähren und nach dem Národní archiv (Nationalarchiv) in Prag das zweitwichtigste in der Tschechischen Republik, da es unter anderem die schriftlichen Nachlässe der mährischen Markgrafen, der mährischen Stände und anderer ständischer Institutionen, der obersten Landesorgane und -Ämter und ähnliches bewahrt. Eine weitere bedeutende Quellengruppe sind Archive kirchlicher Institutionen, Adelsgeschlechter und einzelner Herrschaften und Güter, die im Laufe der Zeit dem Mährischen Landesarchiv übergeben wurden.
Die Anfänge der Archivpflege in Mähren reichen bis ins Mittelalter zurück, vor allem im Zusammenhang mit der Führung der Mährischen Landtafeln. Nachrichten über die bewußte Verwaltung und Ordnung der mährischen Stände finden wir seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Das selbständige Mährische Landesarchiv wurde 1839 gegründet und an seine Spitze der mährische Landeshistoriograph Antonín Boček berufen, der das Archiv bis zu seinem Tod im Jahre 1847 verwaltete. Nach seinem Tod wechselten an der Spitze des Archivs ab oder arbeiteten in ihm als Landesarchivare hervorragende Persönlichkeiten der mährischen Historiographie wie Peter Ritter von Chlumecký, Josef Chytil, Vincenz Brandl und Bertold Bretholz. Das Landesarchiv entwickelte sich zu einem der wichtigsten wissenschaftlichen und historischen Institute im Land. Bis zum Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie war das Mährische Landesarchiv Archiv der Stände, finanziert aus Mitteln der mährischen Stände. Als Landeseinrichtung fungierte es auch während der sogenannten Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918-1938) und in der Zeit der deutschen Okkupation der böhmischen Länder und des Protektorats Böhmen und Mähren (1939-1945).
Dies änderte sich mit der Abschaffung der Gliederung der Tschechoslowakei in Länder im Jahr 1949. Bis dahin (1945-1949) fiel das Mährische Landesarchiv unter den Zemský národní výbor (Landes-Nationalausschuß). Nach Einführung der Kreisgliederung und der Regelung von Kompetenzstreitigkeiten, ob das Archiv dem Innenministerium oder dem Schulministerium unterstehen sollte, änderte sich mehrfach die Bezeichnung: Moravský zemský archiv (Mährisches Landesarchiv), Krajský archiv v Brně (Kreisarchiv Brünn), Archiv kraje Brněnského (Archiv des Brünner Kreises), bis schließlich 1954 die Bezeichnung Státní archiv Brno (Staatsarchiv Brünn), in der Fachliteratur häufig unter der Abkürzung SAB, eingeführt wurde. Vorgesetztes Organ wurde das Innenministerium. Im Jahre 1960 fand in der Tschechoslowakei eine weitere Reform der Landesverwaltung statt, und der Wirkungsbereich des Staatsarchivs Brünn wurde auf den neu geschaffenen Jihomoravský kraj (Südmährischer Kreis) ausgedehnt. Nach Erlaß des Archivgesetzes von 1974 wurde das Staatsarchiv Brünn in Státní oblastní archiv v Brně (Staatliches Regionalarchiv Brünn), abgekürzt SOAB, umbenannt. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 kehrte das Archiv zu seiner traditionellen Bezeichnung Mährisches Landesarchiv Brünn (abgekürzt MZA) zurück.
Bestände des Mährischen Landesarchivs
Die Bestände des Mährischen Landesarchivs bewahren die wichtigsten Quellen zur Geschichte Mährens, aber auch Quellen zur Historie des böhmischen Gesamtstaates und schließlich Mitteleuropas. Zum ursprünglichen Archiv der mährischen Stände kamen weitere Bestände (z. B. der aufgelösten Land- und forstwirtschaftlichen Archive). Das Archiv gliedert sich in einige Grundgruppen mit unterschiedlichen Signaturen:
A Ständische und Selbstverwaltungsbestände,
B Politische Bestände,
C Justizbestände,
D Finanzbestände,
E Kirchliche Bestände,
F Patrimonialbestände,
G Sammlungen, Literaturarchiv, Vereine, Korporationen und verschiedene (u. a. auch adelige Familienarchive).
Grundlegende Informationen über die einzelnen Bestände und Sammlungen des Mährischen Landesarchivs lassen sich auf den Internetseiten der Archivverwaltung des Ministeriums des Inneren unter der Adresse www.mvcr.cz/archivnictvi/index.html finden.
Weitere Informationen über das Mährische Landesarchiv Brünn und seine Bestände lassen sich auf der Internet-Seite www.mza.cz finden.
Führer durch die Archivbestände:
Kocman, Alois, a kolektiv: Průvodce po Státním archivu v Brně. – Brno: Krajské nakladatelství v Brně 1954.
Voldán, Vladimír, a kol.: Státní archiv v Brně. Průvodce po archivních fondech. Svazek 2: Archivy velkostatků – panství – a šlechtické rodinné archivy územně a provenienčně spjaté s Jihomoravským krajem – Praha: Archivní správa Ministerstva vnitra 1964. (Archive von Großgütern, Herrschaften und adelige Familienarchive, die geographisch und provenienzmäßig mit dem Südmährischen Kreis verbunden sind).
Voldán, Vladimír, a kol.: Státní archiv v Brně. Průvodce po archivních fondech, svazek 3: Archivy velkostatků a zemědělských podniků, rodinné archivy. – Praha: Archivní správa Ministerstva vnitra 1966. (Archive von Großgütern und landwirtschaftlichen Unternehmen, Familienarchive).
Weitere Literatur über Bestände und Quellen des Mährischen Landesarchivs:
Hanzalová, Jarmila (ed.): Soupis osobních písemných pozůstalostí a rodinných archivů v České republice. – Praha: Sekce archivní správy Ministerstva vnitra ČR 1997.
Řezníček, Jan: Moravské a slezské urbáře po 1372/1407 před-1771(1849),. Katalog. – Praha: Odbor archivní správy ministerstva vnitra 2002.
Im Rahmen des Projektes „Bohemia, Moravia et Silesia Judaica“ wurden im Mährischen Landesarchiv Recherchen in folgenden Beständen und Sammlungen durchgeführt:
A 1 Stavovské listiny / Ständische Urkunden (SL) – Recherche beendet, Quellen zugänglich.
A 3 Stavovské rukopisy / Ständische Handschriften (SR) – Dieser umfangreiche Bestand wurde für die Zwecke des Projektes „Bohemia, Moravia et Silesia Judaica“ in kleinere Einheiten aufgeteilt:
En dan loopt het verhaaltje nog een stuk door.
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