Hierbij de tweede brief.
NB. In de eerste brief enkele verbeteringen aangebracht.
Avereest den 19 August 1853
Sr. Hochw. Monseigneur J. Zwysen Erzbischoff von Utrecht ... Tilburg
Monseigneur!
Am ersten Juny erlaubte ich mich Eure bischöfl. Gnaden
einiege Beschwerden im Betreff unseres Pastors J. Schuttelaar
mitzutheilen, wobei ich zugleich den Wunsch aussprach
eine baldiege Änderung unseres Schicksaals zu er-
warten, weil bisjetzt jedoch nicht die geringste
Änderung erfolgt ist, so erdreiste ich mich abermals
zu meinem voriegen Schreiben noch dieses hinzu
zu fügen. In meinem voriegen Schreiben wies ich
Euer bischöfl. Gnaden unter andern auf die schmutziegen
unkeuschen Redensarten hin, welcher unser Pastor sich
häufig bedient, doch hatte nicht den Muth zu behaupten
daß seine Thaten an seine Worte beantworten.
Im Jahre 1851 war hier ein gewisser Pianist E. Hetz
jetzt wohnhaft in Rotterdam (Religion Kathol.), dieser ver-
kaufte und lieferte hier ein Orgel in der Kirche, und hatte
zugleich Gelegenheit, durch häufige Zusammenkünfte
mit dem Pastor, selbst an späten Abenden, unter einem tüch-
tigen Glase Wein, denselben in seinem häuslichen Um-
gange kennen zu lernen, welcher mich schon damals
seine Verwunderung zu kennen gab, über dem Betragen
des Pastors im Umgange mit seinen Halbschwestern, welche
drei bei sich im Hause hat, vor beinahe fünfzig Jahren, indem
er sich äußerte, er lebe mit diesen Schwestern, als wenn
sie seine Frauen wären. Genannten Herrn Hetz fuhr ich
hart an über falsche vermessene Verleumdung, weil ich solches mich
von keinem Fremder über unsern Pastor sagen lassen wolte.
Nicht leicht war es, hierüber zu einer Gewissheit zu gelangen, weil
der Pastor Sorge getragen, außer einiegen vertrauten
Freunden, allen den Zugang zur Pastorie zu verwehren,
oder beschwerlich zu machen. Es ist hier auf dem Lande ge-
bräuchlich, daß mehrere Thüren zum Eingange in die Pastorie
führen, und gewöhnlich ist es des Priesters Wahlspruch „Meine
Thüre steht vor einem Jeden tag? täglich offen“. Hier war es
auch früher so, doch dieser Pastor J.S. ließ die eine Thüre gänz-
lich zu nageln und die andere verschließen, dabei machte
er ein Kämmerlein dessen Fenster auf dem Zugange
zur Pastorie aussah; zu diesem Kämmerlein führten selbst
versteckte Thüren, welche nicht als nur durch Nebenzimmer
zugänglich wär; diese Stube diente zu seinem Wohnzimmer.
Es war auf diese Weise leicht möglich allen Zulauf von Menschen
zu wehren, oder so mühsam zu machen, indem man nach
zwei bis dreimalen vergebliche Reisen und Versuche dem
Pastor zu sprechen, stehts abgewiesen wurde mit dem Be-
merken er is nicht zu Hause, dieses habe ich und mehreren
zu mir häufig unterfunden, bis man endlich nach anhalten dem
versuchen verhört wurde.
Eine gewisse Baronesse Speyard van Woerden wohnhaft zu
Zwolle, schrieb mich neulich, indem sie durch meine Vermittelung
einige Kirchengeräthe an hiesieger Kirche geschenkt hatte,
daß sie deswegen vom herrn Pastor keinen wohlgemeinten
Dank eingeärntet hätte, weil, da sie bei selbieger Gelegenheit,
nach einiege Sachen, im Fall der Ermangelung angeboten hätte,
er ihr darauf aber erwiedert, er sei nichts nöthig, weil seine
Bauern hinlänglich zu den hiesigen Kirchensachen beiträgen.
Die Baronesse ersuchte mich ihr zu berichten, welche doch diese
Bauern sein möchten, und ob selbieges war sei.
Es gab dieser Vorfall einiege Anleitung für mich
mit den Bauern darüber zu sprechen, und gelangte da-
durch Zugang zu einiegen des Pastors getrauesten
Freunden, unter andern einen mit Nahmen J.H. Scholten,
welcher mir erzählte, er sei vom Pastor gedrungen
worden, ihm eine Alba geben zu müssen, und war
etwa entrüstet, daß er die Baronesse als gute Gegeberinn
abgewiesen. Auch erklärte mich derselbe, daß sein
Betragen sich nicht allein verfehle in unkeuschen Worten,
aber auch in Thaten, daß der Pastor in sein und seiner
Frauen Gegenwart, bei Gelegenheit daß sie gebeichtet
hätten, und also vom Pastor von der Kirche aus mit
in sein Haus geführt worden wären, er mit
seinen Schwestern Berührungen am Leibe vor-
genommen hätte, worüber Scholten mit seiner Frau
Schahmroth geworden wären; der Bruder dieses
Scholten genannt H.H. Scholten betheuert dasselbe bei
einer andern Gelegenheit gesehen zu haben und be-
merkt dabei, daß er einer der Schwestern vor den
Hintersten gepackt und geschlagen hätte mit den
Worten, was hat sie einen dicken! dabei hört man
diesen Leuten äußern, das thut er nun in unserer
Gegenwart, was geschieht nun ins Geheim? und dann
säufzen sie was wird von unsern Kindern werden.
Eure Bischöfl. Gnaden nochmals das Wohl dieser Gemeinde
anbefehlend, indem ich erinnere das unsere Seelen sehr
leiden, bin ich
Eure bischöfl. Gnaden ergebener Diener
Egidius Brenninkmeyer
De HEW Heer
Monseigneur Joh. Zwysen Aartsbisschop
te Utrecht, Apostollisch Administrator van het bisdom
van ’s Hertogenbosch
te Tilburg
franco